von Dayton Ward und Kevon Dilmore

Nachdem einen der erste Band, Der Vorbote, sehr in seinen Bann geschlagen hatte, waren die Erwartungen an die Fortsetzung doch sehr hoch. Leider, das Vorweg, konnte er diesem Anspruch nur teilweise gerecht werden. Die erste Hälfte des Buches schleppt sich doch ein wenig dahin, bis es dann endlich los geht.

In „Der Vorbote“ wurden die Hauptcharaktere schon einmal vorgestellt und der grobe Handlungsrahmen angerissen. Die Förderation ist schnell in die Taurus-Region vorgedrungen und hat in Rekordzeit eine Raumstation errichtet. Aber warum diese Eile? Es gab jede Menge Geheimnisse und auch einige unangenehme Wendungen. Im zweiten Band „Rufe den Donner“ wird erwartungsgemäß daran angeknüpft. Der in Ungnade gefallene Reporter Pennington hat sich mit dem Rumtreiber und Versager Quinn zusammen getan, da Letzterer ein schlechtes Gewissen hat, denn er ist ja nicht ganz unschuldig an Penningtons Misere. Und der Reporter will natürlich seinen Ruf wieder reinwaschen und diejenigen an Licht bringen, die ihn in den Keller des Verrufs gebracht haben. Allerdings hat er nicht so ganz damit gerechnet das Quinn in den Fängen des orionischen Verbrechers Ganz und den undurchsichtigen Klauen des Sicherheitsoffiziers T’Prynn hin und hergerissen wird. Die Vulkanierin wiederum muss sich immer stärker ihren inneren Gegner erwehren, der zunehmend stärker zu werden scheint und Ihr Denken und Handeln zu beeinflussen sucht.

Die Autoren stellen auch weitere neue Charaktere vor und beleuchten das Wesen vorhandener, wie den Kommandanten Reyes oder den Xenobiologen Xiong. Manche Schiffsbesatzungen und Kommandanten werden fast wie früher in der Classic-Serie, als Red-Shirts behandelt, jedenfalls fühlt sich der Kenner dieser ersten Star-Trek-Fernsehserie sofort daran erinnert. Denn kaum sind sie aufgetaucht, bringen eine gewisse Tiefe und Sympathie mit, da sind sie auch schon hingemetzelt, von dem Unbekannten, das die Menschen auf ihren Untersuchungen auf den diversen Planeten aufgeweckt zu haben scheinen.

Auch die Bedrohung der anderen beteiligten Völker scheint zuzunehmen. Tholianische Schiffe werden angegriffen und es kommt zu schweren militärischen Auseinandersetzungen mit den Klingonen. Und plötzlich taucht auch noch ein romulanisches Spionageschiff auf, so dass wir jetzt alle bekannten großen Rassen auf dem Spielplatz des Geschehens versammelt haben. Ein kompletter Planet wird von der Wesenheit vernichtet, als sich herausstellt, dass ihre Helfer gegen konzentrierten Disrupterbeschuss der klingonischen Besatzer nicht bestehen können. Was für eine Maßnahme! Zeugt sie doch von unglaublicher Angst, totaler Verwirrung oder unsäglicher Wut oder einem Konglomerat all dieser Empfindungen, die dieser Wesenheit bisher verschlossen war.

Und während sich die einzelnen Protagonisten in immer mehr Verwirrungen verstricken, werden vor dem Auge des Lesers so ganz allmählich immer wieder kleine Häppchen des Geheimnisses gelüftet, weswegen Starfleet überhaupt so eindringlich diese Region durchsucht. Aber nie bekommt man etwas Genaueres zu greifen, sondern stolpert im Grunde von einer Frage zu einer neuen. Und glaubt man ein Geheimnis gelüftet zu haben, so wirft diese doch direkt neue Fragen auf.

Im ersten Band konnte sich der Classic-Freund noch an altbekannten Figuren erfreuen, die einem den Einstieg sehr erleichterten. In „Rufe den Donner“ tauchen diese nicht mehr auf und der Leser kann sich ganz auf die neuen Protagonisten konzentrieren. Was einem die Autoren allerdings nicht sonderlich leicht machen. An der ein oder anderen Stelle fragt man sich allen Ernstes, ob man das Buch nicht zu Seite legen sollte um vielleicht etwas am PC oder sogar im Haushalt zu machen. Aber die Neugierde treibt einen dann doch weiter. Allerdings wird die Freude am Lesen doch erst so richtig wieder angeheizt, nach dem ersten Drittel des Buches. Anscheinend haben die Autoren eine verdammt lange Anlaufzeit gebraucht um in Fahrt zu kommen. Da hat David Mack mit Band 1 wesentlich besser hinbekommen.

Allerdings, und das darf nicht unerwähnt bleiben, schaffen es die Autoren Dayton Ward & Kevin Dilmore dann doch noch den Leser mitzureißen und bis zum Ende des Buches mit Spannung zu versorgen. Auch einige unerwartete Wendungen bringen sie unter, an deren Stelle der Leser nicht umhin kommt eine Augenbraue zu heben. Ganz so wie Spock und Dr.McCoy dies in der ursprüngliche Fernsehserie bei Überraschungen getan haben. Die möchte ich an dieser Stelle allerdings keineswegs nennen, denn dann wäre ja die Überraschung vertan und der geneigte Leser dieser Rezension würde mir das sicherlich übel nehmen. Insgesamt gesehen ist der zweite Band der Vanguard-Reihe nicht der brüller, hat einige Schwächen und Längen, kommt aber dann doch noch in Fahrt um den Leser mit auf eine spannende Reise zu nehmen. Für Freunde der Reihe sowieso ein muss, denn wir wollen doch alle wissen wie es weiter geht und welche Geheimnisse und Überraschungen uns noch in der Taurus-Region erwarten.


Medium:Taschenbuch
Genre:Roman
Veröffentlicht.:2008
Verlag/Label:Cross Cult
Autor:Dayton Ward und Kevon Dilmore
ISBN/Asin:978-3-936480-92-4
Seitenzahl:437