von Ilona Andrews
rezensiert von Oda Plein

Im März 2009 erschien „Stadt der Finsternis – Die Nacht der Magie“.
Manche Beschreibungen des Buches können vielleicht die Vermutung aufkommen lassen, dass in diesem Roman kalter Kaffee aufgewärmt wird. Ein magisches Schwert, Worte der Macht, Vampire, Werwölfe, Nekromanten usw.
Aber das ist hier keineswegs der Fall. Die Autoren wagen das Kunststück Fantasy, SF, sowie alte Mythen und Legenden zu verbinden und es gelingt. Mit einer scheinbaren Leichtigkeit werden diese Dinge zum Leben erweckt, als Selbstverständlichkeit eingebunden, glaubwürdig beschrieben und werfen ein ganz neues Licht auf das, was vielleicht mal war und einst kommen könnte.

Kate Daniels lebt im zukünftigen Atlanta und geht mit Leidenschaft und Sturheit ihrem Job als Söldnerin nach. Immer wieder auf der Jagd nach magischen Geschöpfen und übersinnlichen Phänomenen lebt sie, zwar immer pleite aber dennoch zufrieden, in der großen Stadt, die immer wieder von magischen Wellen überschwemmt wird. Die Magie lässt die Technik immer wieder unzulänglich werden und bringt vieles in die Welt, was besser verborgen geblieben wäre. Kate hat es, wenn auch nicht ganz freiwillig, zu ihrem Job gemacht genau diese Dinge wieder aus dieser zu entfernen.
Die junge Söldnerin ist und bleibt die unbestrittene Hautfigur des Buches und ist so lebendig und glaubwürdig dargestellt, dass man nicht anders kann, als jede Situation voller Aufmerksamkeit mit ihr zu teilen. Hier gibt es keine strahlende, übermächtige Heldin, sondern eine Frau mit Ecken und Kanten mit positiven und negativen Gefühlen und Eigenheiten. Besonders ihr überschäumendes Temperament und ihre große Klappe lassen von Anfang an keinerlei Abstand zwischen ihr und den Leser/innen zu.

Als Kates Vormund Greg umgebracht wird, macht sich die junge Frau auf den Weg dessen Mörder zu finden und gerät dabei in Konflikt mit ihrer Vergangenheit, einem mysteriösem Orden, Gestaltwandlern, Vampiren, Nekromanten und vielem mehr.

Die Autoren, denn hinter dem Pseudonym Ilona Andrews verbirgt sich das Autorenehepaar Ilona und Andrew Gordon, verstehen es ausgezeichnet die Geschichte durch Konflikte voranzutreiben und lebendig werden zu lassen.
Sei es Kates Verhältnis zu ihrem Vormund, die Begegnungen mit dem Anführer der Gestaltwandler Curran, dem Nekromanten Gastek und vielen anderen, alles ist voll von Konflikten. Und diese sind ebenso gut erklärt und glaubwürdig, wie die Charaktere des Buches. Diese Geschichte ist perfekt, weil sie darauf beruht, das nichts und niemand perfekt ist.
Kate lässt auf ihre charmante Art kein Problem aus, reizt den Herrn der Bestien mit dummen Sprüchen, legt sich mit jeder Autoritätsperson an ,die sie finden kann, bedroht die, die sie unterstützen und geht grundsätzlich ihren ganz eigenen Weg.

Der Erzählstil der Autoren ist schnell aber hinterlässt keine Fragen oder Ungereimtheiten. Der Wechsel zwischen Magie und Technik, die Beschreibung der zahlreichen magischen Wesen, alles ist stimmig und in ein Konzept von Spannung und Aktion gebettet, das den Leser/innen das Buch in die Hand drückt, bis es zu Ende ist. Die geschickt eingebauten Ruhephasen sorgen immer wieder dafür, dass eine Verarbeitung der eigenen Bilder möglich ist ohne aus der Geschichte zu gleiten.

Ein absolutes Plus dieses Romas ist, dass es keine versteckte und kitschige Liebesgeschichte im mystischen Kleid ist. Das Thema wird angesprochen und ist ein Teil der Geschichte, bzw der Hauptfigur, aber es beschränkt sich auf einen kleinen Teil und vervollständigt damit das Ganze, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Immer wieder blinkt eine gute Portion schwarzer Humor durch, der sich vor allem in Kates Verhalten wiederspiegelt. Die Söldnerin hat den wundervollen Charakterzug niemals Schwäche zu zeigen und in gefährlichen Situationen ihre Gegner mit möglichst treffenden Sprüchen zur Weißglut zu treiben. Obwohl sie innerlich immer weiß, dass dies vermutlich das Dümmste ist, was sie tun kann, kann sie nicht anders handeln und bringt sich dadurch von einer chaotischen Situation in die nächste. Dass sie sich dabei, mit in kursiv dargestellter Eigenkritik, selbst begleitet, entlockt beim lesen oftmals mehr als ein Grinsen.

In Stadt der Finsternis findet man keine romantisch angehauchten Killer, die der großen Liebe erliegen. Hier gibt es keine Vermenschlichung von magischen Wesen. Die Autoren verlassen sich auf altbewährte Beschreibungen, ohne sie als das absolut Wahre darzustellen. Sie geben praktisch angehauchtem Überlebenswillen und einer Portion Machtgier den Vorzug und erschaffen so eine glaubwürdige und lebensechte Geschichte. Dabei nehmen sie kein Blatt vor den Mund. Die Kampfszenen sind brutal und blutig. „Die Nacht der Magie“, im Originaltitel „Magic Bites“ ist kein Buch für zarte Seelen. Aber man hat nie den Eindruck, das die Autoren hier ihre heimlichen Gewaltfantasien ausleben. Alles hat das richtige Maß.

Ebenfalls kann man positiv vermerken, dass die Geschichte am Ende wirklich abgeschlossen ist. Es gibt kein schmalziges Happy End, auch wenn man sich das vielleicht ein ganz klein wenig wünscht. Man weiß das Leben von Kate Daniels geht weiter aber es gibt keinen nerviges offenes Ende und auch wenn nicht alle Fragen vollkommen beantwortet wurden, ist ein befriedigender Schluss vorhanden. Alles was offen bleibt, weckt Interesse auf mehr.

Fazit:
Ein absolutes Muss. Genial geschrieben, spannend, mitreißend und voller Dinge, die man so nicht vermuten würde.


Original Titel:Magic Bites
Medium:Taschenbuch
Genre:Roman
Veröffentlicht.:2009
Verlag/Label:Egmont LYX
Autor:Ilona Andrews
Übersetzter:Jochen Schwarzer
ISBN/Asin:9-7838-0258-2141
Seitenzahl:304